Grafik - Online-Portale für Freiberufler. Ausbeutung oder Chance?

Online-Portale für Freiberufler: Ausbeutung oder Chance?

Für Freiberufler klingen Online-Portale verlockend: Das eigene Portfolio weltweit potentiellen Kunden präsentieren, keine lästige Akquise mehr und einfach Neukunden gewinnen. Doch was ist mit unbezahlten Pitches, die enorme Konkurrenz mit Freelancern aus Niedriglohn-ländern und einer fairen Bezahlung auf den Online-Portalen?

Dieser Blogartikel beleuchtet die wichtigsten 7 Punkte der Online-Freelancer-Portale und gibt eine Fazit zum Schluss.

1. Unbezahlte Pitches

Bei einigen Freelancer-Plattformen gehören unbezahlte Pitches zum Geschäftsmodell. Das bedeutet, dass dutzende oder hunderte Freelancer z.B. mehrere Logoentwürfe machen und der Kunde dann das beste Design auswählt. Leider bekommt nur der Gewinner des Pitches ein Honorar, die anderen Freiberufler gehen leer aus. Viele Arbeitsstunden oder ganze Tage sind somit unbezahlt.

Empfehlung: Von Portalen mit solchen Praktiken sollten die Freiberufler die Finger lassen

2. Erfahrung sammeln

Besonders für Freelancer, die gerade am Anfang der Selbstständigkeit stehen können Projektportale ein Weg sein, um die eigenen Fertigkeiten zu verbessern, Erfahrungen zu sammeln und in Kontakt mit Neukunden zu treten.

Empfehlung: Für Freiberufler ohne Erfahrung und Kunden sind Projektportale ein guter Start.

3. Stammkunden gewinnen

Oft beauftragen Kunden Folgeprojekte bei den Freiberuflern außerhalb der Projektportale, bei einer verbesserten Bezahlung. So können Freiberufler wertvolle Stammkunden für eine langfristige Zusammenarbeit gewinnen.

Empfehlung: Freiberufler sollten versuchen, aus den Projektportalen Stammkunden für eine langfristige Zusammenarbeit zu generieren.

4. Kosten bei der Anmeldung

Bei einigen Portalen müssen die Freiberufler hohe Anmeldegebühren für Premium-Accounts zahlen. Doch damit ist es nicht getan: Einige Portale bieten den Freiberuflern weitere Optionen wie der Kauf von SEO-Paketen um im Ranking zu steigern oder die Produktion eines Imagevideos. D.h. ein Freiberufler muss zuerst Geld investieren und weiß nicht, ob und wie viel er bei dem Portal verdient.

Empfehlung: Erst die kostenlosen Accounts der Freelancer-Portale nutzen um zu schauen, wie viele und was für Anfrage reinkommen.

5. Gebühren

Einige Portale verlangen von den Freiberuflern bis zu zweistellige Provisionen nach Projektabschluss. Bei Projekten mit einem höheren Auftragsvolumen ist die Provision allerdings geringer. Andere Portale verlangen eine gleichbleibende Provision. Wenn die Provisionszahlungen in einer guten Relation zum Verdienst stehen ist das für die Freiberufler akzeptabel.

Empfehlung: Freiberufler sollten selbst abwägen, ob die Gebühren in einem guten Verhältnis zu den Einnahmen und dem Arbeitsaufwand stehen.

6. Outsoucing an Kollegen

Erfahrene Freiberufler können über Projektportale junge, unerfahrene Kollegen suchen die kleinere Projekte erledigen können die fern der eigenen Expertise liegen. Beispielsweise das Layout einer Visitenkarte oder ein Text für einen Newsletter. So können erfahrene Freelancer das eigene Leistungsportolio erweitern indem sie Arbeit an andere Freelancer abgeben.

Empfehlung: Für erfahrene Freelancer sind Projektportale eine Option, um ein eigenes Netzwerk an Kollegen aufzubauen, die zuarbeiten.

7. Konkurrenz aus Niedriglohnländern

Bei den globalen Freelancer-Portalen konkurrieren deutsche Freelancer mit Kollegen aus Niedriglohnländern. Mit Stundensätzen von Indern und Philippinos können Deutsche aber schwer mithalten. Deswegen: Freiberufler aus Deutschland sollten sich auf nationale Projektportale wie twago oder LocalSolo fokussieren.

Empfehlung: Um nicht mit Kollegen aus Billiglohnländern zu konkurrieren sollten sich deutsche Freiberufler an nationalen Projektportalen anmelden.

8. Absicherung

Einige Portale bieten dem Freiberufler eine Gewähr für die Vergütung der erbrachten Leistung, unabhängig davon, ob der Auftraggeber bezahlt hat. Das ist besonders bei großen Projekten, bei denen mehrere Arbeitstage des Freiberuflers zusammenkommen eine sehr gute Sache.

Empfehlung: Wenn die anderen Bedingungen des Portals stimmen ist es eine Anmeldung wert.

Freelancer-Portale – Das Fazit

Chance für Freelancer

Freelancer-Plattformen sind eine Chance für junge und unerfahrene Freischaffende. Gerade am Anfang der Selbstständigkeit können die Freelancer sich ausprobieren, Erfahrung sammeln und das eigene Portfolio füllen. Aus den ersten Kunden kann eine Stammkundschaft für eine langfristige Zusammenarbeit werden. Zudem ermöglichen Online-Projektplattformen erfahrenen Freelancern, Arbeiten an junge Kollegen abzugeben.

Gefahr der Ausbeutung

Bei hohen Gebühren und Provisionen bei den Portalen sollten die Freelancer aufpassen. Besonders, wenn die Freiberufler noch vor dem ersten (möglichen) Auftrag Geld investieren müssen. Zudem ist die enorme Konkurrenzsituation und der Preisverfall auf den globalen Portalen bedenklich. Ein Ausweg daraus sind nationale Freelancerportale. Mit großer Vorsicht zu genießen sind Wettbewerbe bzw. Pitches, bei denen nur der Gewinner ein Honorar vom Auftraggeber erhält.